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Ein paar Gedanken übers Nähen

Was ist eigentlich Nähen?

Hat sich das schon jemand von euch gefragt?

An sich ist Nähen ein Vorgang, in dem zwei Lagen eines oder zwei verschiedenen Materialien mit Hilfe eines Fadens und einer Nadel zusammen gefügt werden. Ist das tatsächlich so einfach?

Wenn ich darüber nachdenke, finde ich es nicht einfach, vielleicht war es mal so.

Nähkurs BildDas ist in etwa so wie mit den Noten, es gibt nur 7 davon, aber die Musik, die damit geschrieben wird, klingt immer anders.

So ist das mit dem Nähen auch. Man verbindet meistens nur zwei Lagen Stoff miteinander, aber jedes mal entsteht etwas neues.

Bereits vor 30 tausend Jahren stellten Menschen Kleidungstücke aus verschiedenen natürlichen Materialien her. Zuerst waren es tierische Felle und Häute. Später hat man entdeckt, dass man auch aus pflanzlichen Fasern Textilien herstellen kann.

Solange es noch keine Nähmaschine gab, hat man alles mir der Hand genäht. Zuerst nahm man anstelle von Fäden tierische Sehnen, später verzwirnte pflanzliche Fasern. Auch die Nadeln sahen etwas anderes aus. Sie waren nicht so fein und glatt.

Je nach Region waren die Kleidungsstücke sehr unterschiedlich. An erster Stelle wurde die Kleidung erfunden um den Menschen gegen die äußerlichen Einflüsse wie Sonne, Hitze, Wind, Regen und Kälte zu schützen. Die verschiedenen Umweltbedingungen, Klima, die Hauptbeschäftigung und natürlich die verfügbaren Materialien brachten mit sich Unterschiede in der Bekleidung.

Nützlichkeit

Zunächst waren die Kleidungstücke rein nützlich. Man verarbeitete die verfügbaren Materialien nur rein auf den Nutzen ausgerichtet.
Mit der Zeit entwickelte sich außer reiner Nützlichkeit auch ästhetische und soziale Funktion. Reichere Leute trugen etwas feinere Kleidung als der Rest der Bevölkerung. Auch religiöse Zugehörigkeit hat man mit der Auswahl der Kleidung dargestellt.

So entwickelte sich Mode.

Und obwohl die soziale Funktion heutzutage nicht mehr im Vordergrund steht und die schützende Funktion teilweise ganz in den Hintergrund gerückt ist, ist es immer noch so, dass gewisse Kleidung einiges über den Träger verraten kann. Dank verschiedener Kleidung kann der Mensch sein Aussehen verändern, vom verstecken von Problemzonen oder unterstreichen der Vorteile bis zur Demonstration des eigenen Geschmackes und Interessen.

Die Mode hat im Laufe der Zeit vieles erlebt. So auch die Herstellung der Bekleidung. Wenn man zunächst nur Fell, tierische Sehnen und Knochen nutzte und mit der Hand nähte. Zum Glück gibt es in unserer Zeit eine Menge an unterschiedlichsten Hilfsmittel und Technik. Damit ist das Nähen der Kleidung keine harte und monatelange Arbeit mehr. Uns stehen moderne Nähmaschinen mit verschieden Funktionen zur Verfügung, damit geht das Nähen viel schneller. Auch das Zuschneiden geht leichter von der Hand.

Entspannung

Mit der Zeit entwickelten sich auch andere Richtungen des Nähens. Es wurden nicht nur Kleidungsstücke genäht, sondern auch Taschen, Kissen, Gardinen, Bettwäsche. Zum Nähen aus großen Stoffteilen gesellte sich, zum Beispiel, Patchwork, das Nähen aus kleinen Stoffresten und alter gebrauchten Kleidung.  Das Nähen wurde nicht mehr nur Arbeit um damit Geld zu verdienen oder den Körper zu schützen. Es ist inzwischen zur Entspannung geworden. Eine nette Abwechslung nach einem Arbeitstag. Ein Hobby, das viele Facetten hat. Denn es wird nicht nur genäht, wenn man etwas braucht, sondern auch wegen dem Vorgang um ihn zu genießen.

Deswegen finde ich, dass  das Nähen von heute weit mehr als nur zwei Stofflagen mit einem Faden zusammen zu fügen ist.

Leben

Ich nähe schon fast mein ganzes Leben. Oder besser gesagt, ich werde vom Nähen mein ganzes Leben begleitet.

Es fing alles sehr früh an. Meine Oma nähte für sich Kleidung, für die Wohnung Gardinen, Tischdecken, Kissen. Später nähte sie für ihre Kinder, vor allem für ihre Tochter (die später meine Mutter wurde). Aber irgendwann mal interessierte sich auch die Tochter fürs Nähen. Vor allem als sie im Teenager alter war, da die Geschmäcker der Mutter und der Tochter sich etwas anderes entwickelt hatten. Meine Mutter nähte auch für mich und meinen Bruder. Mein Vater hat in der Armee das Nähen gelernt. Nicht beruflich, aber er konnte eine Hose kürzen oder einen Reißverschluss einnähen und Knöpfe annähen.

So bin ich auch zum Nähen gekommen. Mit ca. neun Jahren fing ich an zuerst Puppenkleider, danach auch Kleider für mich zu nähen. Als ich meine Schneiderausbildung gemacht hatte, nähte ich nicht nur für mich, sondern für die ganze Familie.

Und nach der Ausbildung, als ich als Damenschneiderin in einem Atelier arbeitete, nähte ich noch abends zur Entspannung für mich. Dabei ging es nicht um „ich will ein neues Kleid haben“ oder „ich muss das schnell fertig machen, weil ich es dringend brauche“, sondern ich konnte der Näherei richtig Zeit lassen und diesen Vorgang genießen.

Und heute ist es auch immer noch so. Auch obwohl ich seit fast 10 Jahren selbständig bin, seit 5 Jahren Nähkurse gebe und kaum Freizeit habe, nähe ich für mich privat immer noch sehr gerne.

Ich genieße diese Zeit mit meiner Nähmaschine und den Stoffen (die ich inzwischen schon viel zu viel habe). Und jedes mal staune ich, wie vielseitig das Nähen sein kann. Die Nähwelt ist so riesig und nicht mehr einfach. Tausende Hilfsmittel, Werkzeuge und verschiedene Nähmaschinen stehen uns heute zur Verfügung.

In meinen zukünftigen Beiträgen möchte ich mich diesem Thema widmen.